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Dorftrottel

Habe ich eigentlich ein Schild auf der Stirn, auf dem "DORFTROTTEL!" steht? Jeder Stadtmensch sieht das wohl auf Anhieb. Oder gibt es Kurse um zu erkennen, wer nicht aus dieser Stadt ist?

Fangen wir im Straßenverkehr an. Es gibt einfach viel mehr Autos, Radfahrer oder einfach generell mehr Verkehrsteilnehmer, was es für den Landfahrer nicht einfach macht.
Hm gut, mehrere Spuren. Fast wie auf der Autobahn. Aber ohne Navi geht natürlich gar nichts. "In 50 Metern im Kreisverkehr die dritte Ausfahrt nehmen." Gar kein Problem.

Wieso sind neben mir noch Autos? Ach du, mehrspuriger Kreisel. Sowas gibt es auf dem Land halt nicht und mit der Fahrschule schon gar nicht. Also langsam irgendwie durchfinden und danach erstmal tief durchatmen, weil man fast einen Unfall hatte.
So da vorne dann links abbiegen. Die Ampel schaltet auf grün und die Autoschlange bewegt sich. Plötzlich schweißt man fast dem Vordermann den Kofferraum zu, weil er stehen geblieben ist, weil mitten beim Abbiegen noch eine Ampel steht, die aber noch rot ist. Wo gibt es denn sowas?!
Das Herz rast, man ist komplett durchgeschwitzt und sieht schon fast das Ziel. Nur noch einmal links. Aber da sind ja Ess-Bahnschienen (oder wie ich mittlerweile natürlich weiß: S-Bahnschienen) - da soll ich rüber? Und da ist auch noch diese blöde Busampel oder wie die heißen mag.
-grün-
Vorsichtig rantasten, von vorne kommt eine S-Bahn schon angefahren und der Gegenverkehr hat auch grün. Was muss ich machen? Alle Autos vom Gegenverkehr sind weg, ob ich noch grün habe kann ich nicht mehr sehen, aber vor der S-Bahn schaffe ich es nicht mehr. Also danach schnell durchhuschen und einen kurzen Herzstillstand erleiden, weil der Gegenverkehr schon wieder losfährt. Diesmal sehen sie ja schon am Kennzeichen, dass ich nicht von hier bin.
Einfach einparken, das Auto stehen lassen und den Rest zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erledigen.

Dann einfach so in der Stadt. Man irrt hin und her, hat sich verlaufen und wird schon mitleidig angesehen. Zum Glück hat man das internetfähige Handy dabei und merkt, dass man in die völlig falsche Richtung rennt und umdrehen muss. Dann wird bei den Passanten sogar schon ein bisschen geschmunzelt.
Wie, an der Ampel muss ich drücken damit sie auf grün schaltet? Seltsam.

Dann ist da die Kleidung. Nach 5 Minuten durch das Zentrum merkt man, dass da was anders ist. Gefühlt haben alle Frauen mindestens 10 Zentimeter Absatz unter den Füßen und nur Designerkleider an, sind stark geschminkt, mit aufwendig gemachten Haaren und falschen Fingernägeln. Wenn man selbst mit Turnschuhen, Jeans und T-Shirt daneben steht, kann man nur bewundernd rüber schauen. So geht man auf dem Land nicht mal abends weg, obwohl man sich selbst schon gerne mal so anziehen würde.

Das Weggehen. Die Musik ist ja sowieso von Ort zu Ort und Club zu Club unterschiedlich, aber dass sich die Tanzstile so unterscheiden? Bei uns gibt es dann die guten alten Schlager oder ähnlich dummes Zeug, bei dem es egal ist, wie man tanzt und peinlich ist gar nichts. Oh Gott, aber in der Stadt? Zuerst kommt man nicht rein, weil man falsch gekleidet ist (siehe Turnschuhe & co.). Wenn es dann doch funktioniert hat, merkt man drinnen, dass es schon anders ist und geht mit großen Augen rum. Und schon wird man angesprochen, ob man nicht von hier wäre. Das geht den Abend über so weiter, bis man davon irgendwann genug hat und wieder fährt.

Also egal wo in der Stadt man ist, man wird immer als Landmensch enttarnt. Manchmal nur seicht belächelt, man bekommt mit Geduld alles erklärt oder der Stadtmensch macht sich einen Spaß daraus, den Dorftrottel ein wenig auf den Arm zu nehmen.

Da bleibt man doch lieber in seinem eigenen bekannten Gebiet
-Landläufig
13.8.12 17:53


Ess-Bahn

Die ersten Großstadterlebnisse kamen bei Besuchen der Familie in der Großstadt.
Riesige Straßen, mindesten millionen-hundert-tausend Autos (mit Kinderaugen gezählt) und noch viel mehr Menschen. Bevor man dann nach der langen Fahrt und etlichen "Wann sind wir endlich daaaa?" Fragen, die Verwandtschaft besuchte, ging man noch in der Lieblingseisdiele ein Eis essen. Da stößt das Landkind auf ein erstes Problem:
Wenn man aussteigt muss man am Straßenrand darauf achten, nicht in Hundehaufen zu treten. "Warum machen die das nicht weg?", gab den ersten schlechten Eindruck. Wenn man dann erfolgreich das Tretminenfeld überquert hat und sich wie ein König fühlt, weil man in nichts getreten ist, wird man plötzlich am Arm von den Eltern zurückgerissen und angeschrien "man könne doch nicht einfach über den Fahrradweg laufen, ohne vorher nach links und rechts zu sehen!"
Aber wieso ist denn auf dem Bürgersteig ein Fahrradweg? Dürfen die Fahrräder überhaupt auf dem Bürgersteig fahren?
Fast von einem energisch klingelnden Fahrradfahrer angefahren und sichtlich geknickt geht es endlich zum Eis.
In unserem Dorf gab es immer einen fahrenden Eismann. Wenn er geklingelt hat, ist man raus gelaufen und hat sich zwei Kugeln Eis gekauft, meistens das gleiche, große Auswahl gab es ja nicht in seinem kleinen Bus. Jedoch bei in diesem Eisladen. Die ganz normalen Sachen wie Schoko und Vanille gab es natürlich auch, aber auch solch exotische Sachen wie Kokos oder Milchschnitte-Eis. Völlig überwältigt von dieser Vielfalt und dem Neuen stand ich vor dem nächsten Problem: Was zum Kuckuck ist das alles?

Das was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht.
Also gab es Schoko und Vanille.
"Los schneller jetzt", kam dann schon die Ansage, denn auf dem Parkplatz durfte man nur über einen kleinen Zeitraum parken. Im Dorf darf man solange parken wie man will, warum musste man sich hier mit dem Eisessen beeilen? Aber dumme Fragen wollte man ja nicht stellen. Los geht's endlich das letzte bisschen Fahrt zur Verwandschaft.

An einigen Sehenswürdigkeiten vorbei in die Wohngebiete der Stadt. Es wurde ruhiger, die Menschen verschwanden und die Straßen wurden kleiner. Viel kleiner. Auf einmal mussten wir stehen und warten, bis man vorbei konnte. Sowas gab es zu Hause natürlich auch nicht. Warten, dass man fahren konnte? Wann fuhren denn mal zwei Autos gleichzeitig durch eine enge Straße? Und wenn, wurde sowieso geplaudert.
"Ruhe jetzt!" Wir Kinder hatten doch bloß ein bisschen auf dem Rücksitz rumgealbert. Was war nun schon wieder los? Wir wurden aufgeklärt, dass wir angekommen wären und einen Parkplatz suchen müssten. Aber da standen doch die ganze Straße lange Autos - dicht an dicht. Doch tatsächlich gab es eine winzige Parklücke, für ein Familienauto eigentlich zu klein, aber wie durch ein Wunder hat das Einparken funktioniert.

Endlich da.
Schnell allen Hallo sagen und auf in den Garten hinter der Wohnung spielen. Der Garten war das Erste, was man bisher wieder erkannt hat. Was war das nochmal für ein Geräusch? Ach ja, die Ess-Bahn. Wieso konnten wir nicht damit fahren? Hier gab es ja nur Kaffee und Kuchen, in der Ess-Bahn gab es bestimmt Pommes für Kinder.
Es hat einige Jahre gedauert bis ich endlich verstanden hatte, dass es in der Ess-Bahn kein Essen gab und es eigentlich S-Bahn hieß. Das trug zu allgemeinem Gelächter hinzu, aber als Landkind wusste ich es ja nicht besser.

"Los geht nochmal zur Toilette, wir wollen los." Immer dieses Gehetze wenn wir bei den Verwandten sind. Auch jammern half nichts. Man wolle nicht in den Berufsverkehr kommen.
Was war das nun schon wieder für ein Wort? Diesmal musste ich fragen.
Hm ja ok, das ist also Berufsverkehr, aber warum gibt es den bei uns nicht? Um nochmal zu fragen, waren aber schon alle zu müde. Die Fahrt wurde dann schlafend verbracht.

Unglaublich erledigt kamen wir dann wieder zu Hause an. Gleich ins Bett und schlafen.
Was war das für ein Geräusch hinter dem Haus? Die Ess-Bahn? Ach nein, hier fuhren ja nur Mähdrescher.
-Landläufig
12.8.12 10:18


Oh je

Das Formatieren muss wohl noch etwas geübt werden. Die nächsten Einträge werden besser!
-Landläufig
11.8.12 23:06


Ganz normal

Ich bin ganz normal. So sehe ich das zumindest und meine Freunde auch. Es gibt aber in unserer Gesellschaft eine Gruppierung, die das nicht so sieht: der gemeine Stadtmensch. Stadtmensch, der Wortart: Substantiv, maskulin Bedeutung: ein menschliches Wesen beider Geschlechter, welches in der (Groß-)Stadt aufgewachsen ist und noch weiter dort verweilt, bis er unbemerkt in seiner 2,5-Zimmerwohnung von uns geht und eventuell erst nach einigen Tagen vermisst und dann gefunden wird. Das ist meine Definition. Man sieht wohl deutlich, dass ich von einem Leben in der Stadt nicht viel halte. Warum das so ist? Seit Kindertagen wohne ich in einem kleinen, nicht erwähnenswerten Dorf. 250 Einwohner und bestimmt 200 Straßenkatzen. Dort bin ich ganz normal groß geworden: Kinderspielgruppen am Vormittag, Kindergarten, Grundschule, damals noch die Orientierungsstufe und dann Gymnasium. Alles bei uns "um die Ecke", denn Entfernung wird auf dem Land anders als in der Stadt bewertet. 45 Kilometer bis zum Arbeitsplatz sind Alltag. Wenn man das dem Stadtmenschen erklärt, macht er große Augen und fragt noch einmal nach: "45 KILOMETER?", als ob man selbst nicht wüsste, wie weit Kilometer sind. Aber auf dem Land braucht man für diese 45 km nur ungefähr 30 Minuten - und nicht wie in der Stadt 45 Minuten für 10 Kilometer Zurück zur Eröffnungsthese: Mein Problem besteht darin, Kontakte zu Stadtmenschen zu pflegen oder gar erst welche zustande kommen zu lassen. Es gibt gravierende Unterschiede zwischen Stadt- und uns Landmenschen, die eine Interaktion zwischen den beiden Gruppierungen recht schwierig gestalten. In diesem Blog möchte ich über meine Erfahrungen mit Stadtmenschen schreiben. Falls sich ein Stadtmensch als Leser hier angegriffen fühlen sollte: ich bitte vielmals um Entschuldigung, aber ich weiß es halt nicht besser. "Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht.", ist viel mehr als eine bloße Redensart. Das wird im nächsten Text behandelt. -Landläufig
11.8.12 23:03





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